Latein

non scholae, sed vitae discimus

Wir bieten Latein zurzeit im neunjährigen Bildungsgang ab der 7. Klasse als 2. Fremdsprache an.

In der Profiloberstufe wird Latein mit unterschiedlicher Stundenzahl unterrichtet.

„Latein – wozu braucht man das denn? Ist Latein nicht schon tot? Mit wem kann man sich denn mit Latein unterhalten?“ – dies sind die häufigsten Fragen, die wir als Schüler und Schülerinnen hören, wenn wir erzählen, dass wir Latein lernen. Zugegeben – Latein wird „nur“ noch im Vatikan-Staat als Amtssprache gesprochen und die weltweit 1,18 Mrd. Katholiken hören Latein während der Messe in der Kirche. Doch was ist das Faszinierende an Latein, das dazu führt, dass jedes Jahr wieder viele Schüler und Schülerinnen wie wir mit der Sprache anfangen, dass die Klassiker Cicero und Sallust noch heute, nach 2000 Jahren, aktuell sind und gelesen werden, dass Berühmtheiten wie David Beckham oder Angelina Jolie sich lateinische Sprüche in die Haut tätowieren lassen? Worin liegt also der Nutzen von Latein? Der Nutzen liegt darin, dass Latein ein Schulfach ist, dass so viele Facetten hat, daher lernen wir nicht nur für die Schule, sondern für das gesamte Leben (non scholae, sed vitae discimus). Hier sind einige Gründe, warum Latein so vielfältig ist:

1. Latein trainiert vor allem die eigene Muttersprache

Ein Hauptschwerpunkt des Lateinunterrichts besteht darin, dass wir die Texte in die eigene Sprache übersetzen. Dabei kommt es auf eine besonders präzise Übertragung der Sprache in allen ihren Nuancen an. Wir müssen uns also intensiv mit den Erscheinungen der eigenen Sprache auseinandersetzen. Das ist manchmal eine richtige Knobelarbeit! Das schult die Ausdrucksfähigkeit, wovon die meisten ein Leben lang zehren können.

2. Latein ist nicht schwerer als andere Sprachen

Im Gegenteil: Die klassischen Autoren wie Caesar und Cicero sind mit einem sehr geringen Wortschatz ausgekommen. Natürlich muss man diese Vokabeln trotzdem lernen, aber der lateinische Grundwortschatz ist relativ überschaubar. Nur 1.500 Vokabeln sind nötig, damit wir etwa 80% der Texte verstehen können.

3. Latein macht Spaß

Aller Anfang ist schwer und so ist auch die Beschäftigung mit einer neuen, ungewohnten Fremdsprache zunächst mit einiger Arbeit verbunden. Aufgrund des klaren Aufbaus der Sprache stellen sich für uns als Schüler/innen aber meistens rasche Erfolge ein. Die Auseinandersetzung mit der römischen Kultur und Lebensweise begeistert uns ganz besonders, vor allem weil man dabei merkt, wie nah die Menschen der Antike uns heute noch sind.

4. Wurzeln der Gegenwart

Weinanbau, Gerichtswesen, Medizin, Philosophie, Straßenbau, Baukunst, Religion, Landwirtschaft, das Alphabet … – die Liste des Erbes, das die Römer uns hinterlassen haben, ließe sich fast unendlich weiter fortsetzen. Fest steht, dass die kulturellen Wurzeln des europäischen Kontinents in der griechisch-römischen Antike liegen. Insbesondere im zusammenwachsenden Europa wird den heutigen Generationen ein hohes Maß an interkultureller Kompetenz abverlangt. Darauf bereitet Latein uns besonders gut vor.

5. Basis für Fremdsprachen

Nicht nur die kulturellen Wurzeln Europas liegen im Lateinischen. Auch die meisten der modernen europäischen Fremdsprachen gehen auf das Lateinische zurück. Nicht nur Vokabeln und Lehnwörter haben die heutigen europäischen Sprachen beeinflusst, sondern insbesondere die Grammatik geht auf einen Kern zurück, dem man mit dem Lateinischen auf die Spur kommt. Mit lateinischen Vokabeln und lateinischer Grammatik lernen wir Grundkenntnisse des Englischen, Französischen, Spanischen, Italienischen und vieler weiterer Sprachen einfach gleich mit – eine ideale Voraussetzung für das spätere Erlernen anderer europäischer Sprachen.

6. Spezialtraining fürs Köpfchen

Durch die intensive Auseinandersetzung mit Texten an sich werden immer wieder Analyse- und Synthesefähigkeiten trainiert. Dies sind Voraussetzungen für eine zielstrebige und ausdauernde Beschäftigung mit Problemen. Mit Latein üben wir also intensiv die Grundlagen der Fähigkeiten zur Problemlösung.

7. Zentrale Lebensfragen

Ein Großteil der lateinischen Texte ist in der nachfolgenden Zeit verloren gegangen. Da die Überlieferung meist handschriftlich erfolgte, hat man sorgfältig ausgewählt, welche der vielen Texte es überhaupt Wert waren abgeschrieben zu werden. Dabei wurden hauptsächlich jene Texte überliefert, die sich mit den zentralen Fragen der menschlichen Existenz beschäftigen, wie Liebe, Freundschaft, Ziele menschlichen Daseins usw. Wir als Schülerinnen und Schüler werden im Lateinunterricht also an zeitlose Klassiker herangeführt und beschäftigen uns bereits früh mit den zentralen Fragen der menschlichen Existenz.

8. Rhetorikkurs beim Meister

Sprachliche Kompetenz und die Fähigkeit, Menschen überzeugen zu können, gehören zu den wichtigsten Kompetenzen der heutigen Welt. Es gibt nichts, was Sprache nicht bewirken kann. Das war auch den „alten Römern“ bewusst, die ihre rhetorischen Fähigkeiten vor Gericht und bei Ansprachen vor großen Gruppen perfektionierten. Wir erlernen unsere rhetorischen Fähigkeiten also bei den Meistern wie Cicero & Co.

9. Kreativität und Vielfalt

Shakespeare, Goethe, Schiller – Römische Autoren sind immer wieder von den großen Klassikern der europäischen Kultur nachgeahmt und zum Vorbild genommen worden. Der Grund dafür ist, dass römische Autoren mit großer Kreativität die Vielfalt des menschlichen Daseins beschrieben und dargestellt haben. Wir beschäftigen uns mit diesen kreativen Formen und lernen die Möglichkeiten sprachlicher Darstellung an einer Vielzahl abwechslungsreicher lateinischer Texte kennen.

10. Studienvoraussetzung

Die Studiengänge Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Rumänisch, Philosophie, Theologie, Sprach- und Literaturwissenschaft, Archäologie, Kunstgeschichte, Musik u.a.m. erfordern das Latinum, für einige Fächer wie Geschichte sind solide Lateinkenntnisse eine der Grundvoraussetzungen. Ein nachträgliches Erlernen der Sprache ist zwar möglich, allerdings sind dafür Intensivkurse an der Universität nötig, die viel Zeit und damit auch Geld kosten. Überdies werden in einigen der sogenannten NC-Fächer die Lateinkenntnisse angerechnet, was zu einer besseren Bewertung der Abi-Note führt. Für die meisten der betroffenen Studiengänge ist das Latinum Voraussetzung. Hier folgt eine Übersicht, welche auf die verschiedenen Latina und Studienvoraussetzungen eingeht:

Latinumsbestimmungen:

  • Kleines Latinum nach Klasse 7-10
  • Latinum Klasse 7-11 (E-Jahrgang)
  • Großes Latinum Klasse 7-Q2

WICHTIGER HINWEIS: Voraussetzung für das Erreichen der Latina ist eine mindestens ausreichende Leistung im jeweils letzten Schuljahr der oben aufgeführten Klassenstufen (Oberstufe: 5 Punkte). Es gelten weitere besondere Voraussetzungen. Siehe dazu den Erlass des Ministeriums vom 1. Februar 2011. (Angaben ohne Gewähr)

Latein als Studienvoraussetzung an der Christian-Albrechts-Universität, Kiel

Ähnliche Anforderungen gelten an anderen Hochschulen, die jeweils über die Studienvoraussetzungen auf ihren Internetseiten informieren.